Rhein-Sieg-Anzeiger vom 07.04.2011:
WINDENERGIE - In NRW soll ein neuer Wind wehen
Bis 2020 sollen in NRW laut der rot-grünen Pläne 15 Prozent des Stroms von Windrädern kommen. Hierzu
will die Regierung Hürden bei der Genehmigung beseitigen. Derzeit stehen rund 2.800 "Windmühlen" im Land;
neue Anlagen könnten an Autobahnen und Zugtrassen entstehen.
DÜSSELDORF - Die rot-grüne Landesregierung hat sich ein ehrgeiziges Ziele gesetzt: Bis 2020 sollen in
NRW 15 Prozent des Stroms durch Windräder produziert werden. Derzeit sind es nur drei Prozent. SPD und
Grüne reagieren damit nicht auf die atomare Katastrophe in Japan. Auf Wind haben sie schon früher gesetzt.
Die Zielvorgabe steht in ihrem Koalitionsvertrag.
Bürokratische Hürden sollen entfallen
Jetzt geben die für Umwelt und Energie zuständigen Minister Johannes Remmel (Grüne) und Harry
Voigtsberger (SPD) in der Sache Gas. Sie haben einen neuen Windkrafterlass erarbeitet, um ihrem
energiepolitischem Ziel näher zu kommen. Er soll die Verordnung der schwarz-gelben Koalition von 2008
ersetzen.
Die wichtigsten Änderungen: Das Abstandsgebot von 1.500 Metern zu Ortschaften entfällt. Es gibt für
Windräder auch keine strikte Höhenbegrenzung mehr. Es gelten vielmehr künftig die gleichen Schutzabstände
wie für andere Industrieanlagen auch. Zudem erhalten Kommunen und Kreise als Genehmigungsbehörden größere
Entscheidungsspielräume. Der Erlass soll im Mai in Kraft treten.
Der Landtag muss dabei nicht mitspielen. Schließlich ist es kein Gesetz. Dennoch fand am Mittwoch zu
diesem viele Seiten umfassenden Erlass im Parlament eine Expertenanhörung statt. Beantragt hatte sie die
FDP - vor der Katastrophe in Japan. Liberale gehörten in der letzten Legislaturperiode zu den entschiedenen
Gegnern der Windräder. Aber der Ton hat sich radikal gewandelt. In der Anhörung äußerte niemand
grundsätzliche Bedenken gegen die Windenergie. Auch der alte Vorwurf, Windräder führten zu einer
Verspargelung der Landschaft, spielte so gut wie keine Rolle mehr. Dafür war die Frage umso wichtiger, wie
man bei der Bevölkerung die notwendige Akzeptanz schafft? Frühe Information, das war der Rat vieler
Experten. Einige forderten, der Erlass müsse klarere Vorgaben enthalten, etwa zum Abstandsgebot.
Das Zauberwort lautet "Repowering"
Frank Brösse von den Stadtwerken Aachen hatte aus praktischer Erfahrung noch einen weiteren Tipp:
Bürger am Windpark beteiligen, das schafft Zustimmung. Andreas Düser von der Arbeitsgemeinschaft
Erneuerbare Energien rechnet vor, eine 2-Mega-Watt-Anlage bringe in 20 Jahren eine regionale Wertschöpfung
von 2,8 Millionen Euro. Damit könne man die Bürger überzeugen. Denn, so andere Experten, eine
Verfünffachung der Stromerzeugung aus Windrädern bedeute ja nicht, dass auch die Zahl der Anlagen
verfünffacht werden müsse.
In NRW stehen derzeit rund 2.800 stromerzeugende "Windmühlen". Ersetzt man sie durch neue, höhere und
auch deshalb leistungsstärkere Anlagen, bedarf es keiner zusätzlichen Anlagen, um das Ziel von 15 Prozent
Windstrom zu erreichen. Für Umweltminister Johannes Remmel steht deshalb fest: "Die Horrorzahlen über
Tausende neue Windenergieranlagen in NRW, die im Raum stehen, sind völlig aus der Luft gegriffen."
Aber auch der Minister geht, wie er in einem WDR-Interview einräumte, davon aus, dass neue Windräder
aufgestellt werden, weil die eine oder andere Altanlage verschwinden wird. Der Grünen-Politiker will sie
"entlang der großen Infrastrukturachsen, entlang der Autobahnen und Eisenbahnstrecken" aufgestellt wissen.
Also da, wo die Landschaft ohnehin keine Idylle mehr ist. Und dann gibt es ja noch den Wald. Der Sturm
Kyrill hat gezeigt, so Remmel, wo man besser keine Forstwirtschaft betreibt, sondern künftig dann eben
Windräder.
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