Rhein-Sieg-Anzeiger vom 28.06.2010:
BEVÖLKERUNG - Stadtleben bleibt beliebter
Trotz einer Trendwende beim Bevölkerungswachstum und einem leichten Plus an Zuzügen im Rhein-Sieg-Kreis
ist die Entwicklung im Ballungsraum jedoch keineswegs einheitlich.
RHEIN-SIEG - Die Bevölkerung im Rhein-Sieg-Kreis wächst wieder langsam. Wie das Statistische Landesamtes
in Düsseldorf jetzt mitteilte, haben die 19 Kommunen im Jahr 2009 um 182 Personen zugelegt. Dies entspricht
einem Plus von 0,03 Prozent - und öffnet die Türen für eine Trendwende, nachdem die Bevölkerung 2008
erstmals wieder zurückgegangen war. Insgesamt lebten zum jüngsten Jahreswechsel 598 407 Menschen zwischen
Windeck und Rheinbach.
Die Entwicklung allerdings ist keineswegs einheitlich: Während im Ballungsraum an der unteren Sieg immer
mehr Menschen leben wollen, nimmt die Bevölkerung in den ländlichen Kommunen spürbar ab.
Im Rechtsrheinischen wachsen vor allem Hennef (plus 206), Niederkassel (plus 197), Bad Honnef (plus 170),
Troisdorf (plus 144) und Siegburg (plus 100) erheblich. Alle diese Kommunen teilen eine gute Infrastruktur
und ihre Nähe zu den Großstädten Köln und / oder Bonn. In der Summe registrieren die genannten Kommunen
einen Zuwachs von 813 Personen innerhalb von nur zwölf Monaten. Sankt Augustin (minus 100) und Königswinter
(minus 189) allerdings wachsen trotz ihrer Zugehörigkeit zum Ballungsraum nicht.
In den ländlichen Kommunen sinkt die Einwohnerzahl derweil einheitlich. Sowohl Eitorf (minus 127) und
Windeck (minus 105) als auch Neunkirchen-Seelscheid (minus 97), Ruppichteroth (minus 57), Lohmar (minus 48)
und Much (minus 47) mussten 2009 einen Rückgang hinnehmen. In der Summe macht dies einen Verlust von
annähernd 500 Einwohnern allein in den ländlichen Kommunen im rechtsrheinischen Kreisgebiet.
Prozentzahlen verdeutlichen, dass es sich um einen Vorgang von erheblichen Dimensionen handelt: So hat
Eitorf innerhalb von einem Jahr 0,64 Prozent seiner Bevölkerung verloren, auch Ruppichteroth (minus 0,53
Prozent) und Windeck (minus 0,51) verlieren rasant Einwohner, die Steuern zahlen und Kaufkraft besitzen.
Die Fakten unterscheiden sich von den Prognosen, die der Kreis auf Basis einer Studie noch im Jahr 2006
verkündet hat: Seinerzeit kursierte die Annahme, dass die Bevölkerung in Bonn und dem Rhein-Sieg-Kreis
allein bis zum Jahr 2020 um bis zu 70 000 Einwohner wachsen könne.
Bonn kann mit dieser Prognose noch am ehesten mithalten: In der Bundesstadt lebten am 31. Dezember
319 841 Menschen. Das waren 0,6 Prozent und annähernd 2000 mehr als am Vorjahrestag. Gegenüber dem
Jahrtausendwechsel hat die Zahl der Bonner um fast 20 000 zugenommen. Köln wächst nicht ganz so rapide,
kratzt aber mit 998 105 Bürgern an der Grenze zur Millionenstadt.
Insgesamt verliert NRW kontinuierlich Einwohner: Allein 2009 betrug der Verlust mehr als 60 000 Menschen.
Der Großraum Köln / Bonn zählt zu den wenigen Wachstumsregionen.
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