Rhein-Sieg-Anzeiger-online vom 24.08.2009:
KOMMUNALWAHL 2009 - Gesamtschule bleibt die Option
Neben dem Schulthema, bei dem die Gemeinde Eitorf ihre Funktion als Mittelzentrum unterstreichen will,
beschäftigt die Bürger die Situation im Zentralort. Schützenhilfe kommt aus der Nachbarschaft.
EITORF - Neben dem Schulthema, bei dem die Gemeinde ihre Funktion als Mittelzentrum unterstreichen
will, beschäftigt die Bürger die Situation im Zentralort.
Der Eitorfer Gemeinderat hat sich mit Mehrheit klar zu seinen weiterführenden Schulen bekannt: Am
Siegtalgymnasium wird ein Naturwissenschaftliches Zentrum angebaut, und der Verwaltungstrakt der
Hauptschule soll erweitert werden. Darüber hinaus wurde ein deutliches Signal für eine mögliche
Gesamtschule gegeben. Keine der im bisherigen Gemeinderat vertretenen Parteien will sich dem deutlich
geäußerten Wunsch der Eltern nach dieser Schulform verschließen.
Zumindest die Windecker Eltern haben sich inzwischen ebenfalls klar geäußert, und so könnten die neuen
Räte eine gemeinsame Schulplanung mit dem Ziel, eine Gesamtschule zu errichten, auf den Weg bringen. In
Eitorf wurde die weitere Marschrichtung bereits im Vorfeld deutlich: Die Gesamtschule der Oberen Sieg
soll in Eitorf stehen. Auch wenn die Hauptschule dort noch keine akuten Existenzprobleme hat, wird ein
Votum für eine Gesamtschule Eitorf ihr Ende besiegeln. Denn Geld, um eine völlig neue Schule aus dem
Boden zu stampfen, gibt es weder an der Oberen Sieg, noch in Köln oder Düsseldorf. Geld zumindest aus
Landestöpfen dürfte für die Entwicklung zwischen Ortskern und Sieg fließen. Mit dem Regionale 2010-Projekt
"Sprung an die Sieg", das sich auf das gesamte Gebiet zwischen Sieg und Ortskern, Gewerbeflächen und
Hauptschule bezieht, verbinden viele Eitorfer den Wunsch, die Gemeinde möge auch die Verkehrsprobleme
des Zentralorts in den Griff bekommen. Ständige Staus vor den Schranken an der Brückenstraße bis hinein
in den Ortskern trüben die Einkaufsfreuden. Eine Bahnunterführung an der Brückenstraße und eine bessere
Gestaltung des unschönen Bahngeländes nördlich der Gleise stehen ganz oben auf der Liste der Bürger, die
sich auch bessere Angebote zum Shoppen wünschen.
RÜDIGER STORCH
Schulden abbauen
Ein Bürgermeister zum Anfassen möchte Rüdiger Storch (FDP) sein. Er hat sich die Konsolidierung der
Finanzen auf die Fahnen geschrieben. Eitorf habe die Schulden um 4,2 Millionen Euro reduzieren können.
Auch in der Krise müsse der Versuchung widerstanden werden, neue Kredite aufzunehmen, auch wenn beliebte
Projekte zurückgestellt würden, meint er. Storch verweist auf den Schwerpunkt Bildung und Ausbildung mit
den realisierten und geplanten Aus- und Anbauten der Schulen. Weitere Erfolge wünscht er sich für
Menschen mit Vermittlungshemmnissen, die er mit der Arge im Arbeitsprozess eingliedern möchte. Auch für
die Kinderbetreuung will sich Storch weiter einsetzen und gleichzeitig die Ortsentwicklung im Rahmen
der Regionale 2010 weiter forcieren. Bauhof und Feuerwehr könnten dazu aus dem Gebiet zwischen
Ortszentrum, Gleisen, und Sieg verlagert werden.
KARL HEINZ STERZENBACH
Bündnis schaffen
Eine vergleichbare Entwicklung wie in den Nachbarorten Hennef und Siegburg sei in den letzten zehn
Jahren an Eitorf regelrecht vorbei gegangen, meint Karl Heinz Sterzenbach, der für CDU und SPD antritt.
Als Bürgermeister will er den Ort als Mittelzentrum stärken. Dazu seien klare Vorgaben aus der
Verwaltung nötig. "Jemand sollte einen Schritt voran gehen, sich ein Stück voraus wagen. Das sehe ich
als Rolle des Bürgermeisters." Vorantreiben will Sterzenbach die Neugestaltung des Geländes zwischen
Hauptort und Sieg. Bei der Bahnunterführung an der Brückenstraße möchte er Druck machen. Als Parteiloser
sieht er für sich die Chance, ein breites Bündnis für Eitorf auf die Beine zu stellen, das auch über
die Wahlperiode hinweg an Grundparametern festhalte. In der Verwaltung möchte der Kandidat "mit
Fingerspitzengefühl" Aufgaben bündeln.
INFORMATION
Eitorfer Zahlen
In der Gemeinde leben zurzeit auf 7006 Hektar Fläche 19 750 Einwohner (Stand 31. Dezember 2008).
Zwei Drittel von ihnen wohnen im Hauptort.
Der Plan für den laufenden Gemeindehaushalt wies Anfang des Jahres eine Pro-Kopf-Verschuldung der Eitorfer Bürger von 1943,67 Euro aus. Darin sind die Schulden der Gemeindewerke enthalten.
Zum Jahresende 2008 hatte Eitorf 14 772 349 Euro Schulden.
Im Gemeinderat gibt es 32 Sitze, die zur Hälfte in direkter Wahl über 16 Wahlbezirke besetzt
werden. Die zweite nach den Anteilen der Parteien an den abgegebenen Stimmen.
HINTERGRUND
Der Ort soll attraktiver werden
Um die Stimmen der Wähler kämpfen in Eitorf dieses Mal sieben Parteien und Wählergruppen.
Mit einer "Strategie 2020" zieht die CDU in den Wahlkampf. Die Attraktivität des Ortes soll
gesteigert werden. Ein Ziel: Die Umgestaltung der Siegaue mit Landesmitteln. Aber auch der Ausbau von
Freizeitangeboten und Kultur stehen auf der Liste der Union, die eine offensive Ansiedlungspolitik und
einen ausgeglichenen Haushalt anpeilt. Der Elternwille nach einer Gesamtschule soll respektiert, die
U3-Betreuung ausgebaut und Eitorf ans schnelle DSL-Netz angeschlossen werden. Die Union setzt sich auch
für den Erhalt des Krankenhauses ein.
Um solide Finanzpolitik geht es der SPD. Sie kündigt an, die Siegaue und den Marktplatz
umzugestalten, möchte Parkgebühren am Krankenhaus generell, im übrigen Ort für die ersten 15 Minuten
abschaffen. Mit Anruf-Sammeltaxis und Bürgerbusse sollen Außenorte besser angebunden und das Bildungsangebot
durch eine Gesamtschule ergänzt werden. Mehr Kultur, Sicherung der Jugendarbeit und die Neugestaltung
des ehemaligen Freibadgeländes und die Unterstützung ehrenamtlicher Mitarbeiter sind weitere Ziele.
Die Sicherung des Krankenhauses steht bei Bündnis 90 / Die Grünen ganz oben. Sie stehen hinter
dem Projekt "Sprung an die Sieg", fordern einen behindertengerechten Ort und eine Konzentration des
Einzelhandels. Mit einem Radwegenetz soll der Tourismus gefördert werden. Neben einer Grundschule bis
zum sechsten Schuljahr unterstützt die Partei die Gesamtschule. Außerdem will sie die Energiewende auch
in Eitorf einleiten. Vorhandene Gewerbeflächen sollen optimiert und der Öffentliche Personennahverkehr
auf der Siegstrecke ausgeweitet werden.
Die FDP möchte neben dem Brückenweg auch den Spinnerweg unter der Bahn hindurch führen. Während
sie die Ganztagsbetreuung für alle fordern, halten sich die Liberalen bei der Gesamtschule eher zurück.
Als "Bildungsstandort" soll Eitorf aber weiterentwickelt werden. Neben einem Nutzungskonzept fürs
Jugendzentrum stehen U3-Betreuung und integrierende Sprachkurse auf im Programm. Weitere Themen:
Generationsübergreifendes Wohnen, kulturelle Vielfalt, attraktive Freizeit- und Tourismusangebote
und ein besseres Image.
Ohne "Klüngel und Filz" und transparenter wünschen sich die Bürger für Eitorf (BfE) die Politik.
Sie verstehen sich als wachende Opposition, wünschen sich kritisch-aktive Mitbürger und Jugendliche, die
an politischen Lösungen beteiligt werden. Die nähere Zusammenarbeit mit Nachbargemeinden in Sachen
Verkehr, Kultur und Umwelt sind ebenso Ziele, wie ein attraktiveres Ortszentrum.
Für stärkere Geschwindigkeitsüberwachungen an Schulen, ein intelligentes Verkehrsleitsystem und
öffentliche Toiletten will sich die neu gegründete Unabhängige Wählergemeinschaft (UWG) vordinglich im
Rat einsetzen.
Die Linke, die in fünf Wahlkreisen antritt, legt ihren Schwerpunkt auf soziale Themen, die
Gesamtschule DSL und eine bessere Einbindung ausländischer Mitbürger in die politische Arbeit.
KOMMENTAR
Es bleibt spannend
Die Bürger verspüren in diesen Tagen ein generelles Unbehagen, wenn sie an die CDU-geführte große
Koalition in Berlin denken. Die SPD kämpft mit der Akzeptanz, und die Liberalen fühlen sich im Aufwind.
Der Wahlkampf in Eitorf ist ein Spiegelbild dieser Stimmung im Lande. CDU und SPD mögen sich nach der
Einigung auf den gemeinsamen Bürgermeisterkandidaten noch sicher gewesen sein, den Amtsinhaber aus dem
Chefsessel des Rathauses kegeln zu können. Spätestens seit der Europawahl aber müsste deutlich geworden
sein, dass das so einfach nicht wird.
Entsprechend liegen die Nerven an der Oberen Sieg auf beiden Seiten blank. Da wird um Plakate
gestritten, die angeblich an sensiblen Plätzen hängen, um Überschriften, die vermeintlich überheblich
klingen.
Die meisten Bürger interessieren solche klein karierten Streitereien unterdessen nur am Rande. Sie
wollen vielmehr wissen, was mit ihrem Ort geschieht und wer Eitorf durch die allgemeine Krise und in
eine hoffnungsvolle Zukunft steuern kann.
Gefordert werden bessere Einkaufsmöglichkeiten und sowohl weniger als auch besser geführter Verkehr.
Die Eitorfer erwarten zurecht eine Ortsgestaltung, die Gäste nicht sofort abschreckt, wie der aktuelle
Blick vom Bahnhof in Richtung Sieg. Sie möchten die Wege dorthin aufgezeigt bekommen und sie möchten
in absehbarer Zeit nicht nur Pläne sondern Ergebnisse sehen.
Den Politikern bleiben noch wenige Tage, um ihre Sachargumente an den Mann und an die Frau zu bringen.
Dann fällt die Entscheidung, und die dürfte knapp ausfallen.
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