Rhein-Sieg-Anzeiger-online vom 26.03.2009:
GELÄNDE VERSEUCHT - Vor 100 Jahren Chrom abgekippt
Das Gelände am Spinnerweg zwischen Bahn und Fluss ist bis aufs Grundwasser mit giftigen
Schwermetallbeizen verseucht. Experten suchen jetzt nach Lösungen. Die Aufbereitung an der Sieg kann bis
zu zehn Millionen Euro kosten.
EITORF Gemeinde und Rhein-Sieg-Kreis haben ein Problem: Fünf Meter unter der Erde lauern am Spinnerweg
giftige Schwermetallbeizen. Die haben sich im Laufe von mehr als 100 Jahren bis ins Grundwasser ausgebreitet.
Dort gründen private Brunnen aus Gärten einiger Anwohner. Eine Lösung für das Problem gebe es noch nicht,
erklärten Experten am Mittwoch. Vom Versiegeln der Fläche mit Asphalt, dem Bau eines Gebäudes bis hin
zum Ausbaggern von 80 000 Tonnen Boden reicht das Szenario. Entsprechend breit sind die Kostenschätzungen:
bis zehn Millionen Euro. Bis zur Höhe des Grundstückswertes muss das der heutige Eigentümer bezahlen.
Begonnen hat die Geschichte des 8250 Quadratmeter großen Geländes zwischen Spinnerweg und Sackgasse
Siegufer 1870 mit der Färberei Gauhe. Von 1879 bis 1909 wurde mit Türkischrotöl gefärbt, einem Verfahren,
bei dem Eisen und Chrombeizen violette und braune Töne erzeugen. Produktionsreste wurden in Firmennähe -
vermutlich in einem alten Siegarm - "entsorgt".
Der Kreis wurde im November 2000 vom heutigen Eigentümer, der Firma Schöller, informiert. Im April 2001
wurde festgestellt, dass keine Gefahr für Menschen bestand, zumal in der Gegend kein Trinkwasser entnommen
wird. Einzeluntersuchungen führten schließlich zu der gestern vorgestellten Expertise.
Bedenklich ist demnach vor allem die Belastung des Grundwassers. Dort wurden bis zu 2 Milligramm
dreiwertiges Chrom gemessen. Ein 2005 festgelegter Grenzwert lässt 0,007 Milligramm zu. Belastetes Wasser
ist an der Sieg und unter angrenzenden Wohngebieten nachgewiesen worden. Eine weitere Ausbreitung der
Chemikalie könne zum Beispiel durch eine Brunnengalerie verhindert werden, aus der das Grundwasser
abgepumpt wird, erklärte Helmut Hoffmann, Leiter des Amtes technischer Umweltschutz beim Kreis.
Nicht ausschließen können die Experten derzeit, dass Gefahren von Grundwasser ausgehen, das über Jahre
hinweg aus privaten Brunnen gepumpt wurde. Trinken würde das allerdings aufgrund seiner rötlichen Farbe
niemand, erklärte Gutachterin Ruth Hausmann.
Die Bürger im Gebiet zwischen Spinnerweg und Sieg hat der Kreis in dieser Woche informiert. Auch in
ihren Gärten sollen jetzt Proben genommen werden. Im Juni soll feststehen, wie gegen die Industriechemikalien
vorgegangen wird.
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